Montag, 3. September 2012

Ick könnt im Strahl kotzen

Es gibt einfach diese Tage, die schon scheiße anfangen. An denen man sich nicht nur fragt, wieso man überhaupt aufgestanden ist, sondern auch wieso man keinen Strick hat um dem ganzen Elend ein Ende zu bereiten. Ich glaube, jeder weiß von welcher Art Tage ich hier rede.
Und genau so einen Tag hatte ich heute.
Da ich keinen Führerschein besitze und ich nicht das Geld habe, mich von einem privaten Cheuffeur rumkutschieren zu lassen oder ständig mit dem Taxi zu fahren, bin ich, wie der großteil der Menschen, auf die Öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Und da der neue Monat gerade anfängt, ist auch wieder eine Monatskarte fällig.
Ich stehe also um 7 Uhr an einem freien Tag auf, weil mein kleiner Kack Kiosk nur bis um 9:00 Uhr geöffnet hat und ich meine Zeit zum wachwerden brauche.
Ich zieh mich also an, guck aus dem Fenster.. es regnet. Na fängt ja schonmal super an. Die Zahnpasta, die ich auf meiner Wange übersehen habe, fängt an zu krusten, ich hab meinen Schlüpper falsch rum an und es regnet. Klingt nach nem Bombem Tag.
Naja egal, dacht ich mir. Schuhe an und raus, ich habe ja ein klares Ziel.
Als ich die Schabracke von Kiosk nun also betrat, weckte ich schon auf Anhieb die Aufmerksamkeit des Inhabers. Nicht etwa wegen meiner triefenden Haare oder meiner Gummiboot-großen Tränensäcke, sondern wegen dem kleinen Lindt-Osterhasen-Glöckchen, dass samt rotem Band oben mit Tesafilm am Türrahmen befestigt war, dass anzeigen sollte, wenn sich nach Jahren mal wieder jemand hierher verirrt.
Ich laufe also mit quietschenden Schuhen auf den Tresen zu. "Guten Morgen, ich hätte gerne eine Monatskarte für den Monat September", sagte ich, so freundlich, wie es um 8 Uhr Morgens möglich war.
"da bräucht ick mal ihre Trägerkarte."
Ich wühlte in meinem Portmornait und gab sie ihm in die Hand. Nachdem er sichtlich über mein unglaublich vorteilhaftes Passfoto gelacht hat sah er mich nur an, gab sie mir wieder und sagte schadenfroh :" Tja, könnse verjessen, die is abjeloofen. Zweite September, müssense verlängern lassen, dann kann ick ihnen ne Monatskarte geben".
Ich drehte mich um, quetschte noch ein gezwungenes "danke" aus mir heraus und war aus der Tür verschwunden. Ich spürte etwas in mir aufsteigen. Und es war nicht der Käsetoast vom Frühstückt.
Mit leichter Aggression platschte ich nach Hause, wo ich meine Schuhe dann auskippen konnte.
Ich nahm mir einen Regenschirm aus dem Schrank und setzte mich in den nächsten Bus. Ubahnhof Schlossstraße.. dort befindet sich der einzige BVG stand, den ich kenne. Die Bustüren öffnen sich, ich möchte gerade aussteigen, als eine ältere Dame mir ihren Rollator in die Kniekehle knallt. Ich knickte ein und im nächsten Moment lag ich schon auf der Straße. Mit einem zerbrechlichen "Entschuldigung" schlossen sich die Türen wieder und ich rappelte mich auf.  Ab diesem Moment war alles zu spät. Nichts konnte meinen Tag noch schlimmer machen. Dachte ich.
Von oben bis unten nass war ich jetzt endlich bei der BVG angekommen. Nach 10 Minuten anstehen und seltsamen Blicken war ich dann dran.
"Guten Tag.. Ich hätte gerne meine Trägerkarte verlängert und eine neue Monatskarte für den Monat September".
"Na dit is ja schön für sie. Da bräucht ick nur noch kurz ihren Personalausweis".
Ich knallte ihm also das Kackkärtchen auf den Tisch und hatte meine Hände schon zu Fäusten geballt.
"..hamse ooch nen jültigen Ausweis?", fragte er lächelnd.
".. Was meinen sie?" Mittlerweile war ich mir sicher: heute würde meine Halsschlagader platzen.
"Ihr Ausweis is seit Aujust abjeloofen.. da kann ick ihnen ihr Trägerkärtchen nich verlängern und ne neue Monatskarte kann ick ihnen dadurch ooch nich jeben".
Ohne ein Wort nahm ich meine Sachen, stopfte sie irgendwie in meine Tasche und musste erstmal raus, bevor ich meine Beherrschung verliere.
"Jetzt erstmal eine quarzen", dacht ich mir. Doch dann fiel mir auf, dass erstens weder Feuerzeug noch Zigaretten beihatte.. und zweitens ja Nichtraucher bin. Wobei das so genau ja nicht nehmen darf.
Normalerweise bin ich nicht der Typ, der schnell die Fassung verliert. Aber an genau solchen Tagen vergess ich mich. Da reißt mir die Hutschnur. Da ist es dann auch nicht sonderlich hilfreich, einen Freund zu treffen, der so unglaublich gut gelaunt ist, dass man denkt, der pupst gleich Regenbögen und Schmetterlinge. Und der einem dann erzählen will, dass das alles doch etwas gutes hat, weil sich ja die Pflanzen über den Regen freuen und ich so endlich den neuen Personalausweis bekomme.
"Ich bin von üben bis unten klitschlass weil mich ne Omma umgeknallt hat, wenn Wind kommt, ziehts im Schritt, Ich glaube meine Füße bilden gerade Schwimmhäute, ich bin totmüde weil ich den ganzen Tag durch die Gegend gefahren bin um einfach nur eine scheiß Monatskarte zu bekommen und das alles war jetzt einfach mal komplett fürn Arsch. Und du kommst jetzt an und erzählst mir was von Pflanzen die sich freuen? Mein lieber Freund ich glaube irgendwas läuft nicht ganz rund bei dir?"
Mit diesen Worten drehte ich mich um und setzte mich ins 50 Meter entfernte Bushäuschen. 10 Minuten.. zwanzig Minuten.. 30 Minuten vergingen, aber kein Bus war in Sicht.
So beschloss ich nach Hause zu laufen. Ist ja "nur" eine Stunde Fußweg und nass war ich ja eh schon.
Als dann der Bus auf halber Strecke an mir vorbeifuhr, gab mir das den Rest. Das ist doch immer so. Man wartet eine Ewigkeit und dann, wenn man die Schnauze voll hat, wird nochmal nachgetreten.

Zuhause angekommen legte ich mich so wie ich war einfach nurnoch aufs Sofa und beschloss nie wieder aufzustehen. Naja.. so wirklich einhalten konnt ich das dann doch nicht.
Bis zum nächsten Mal, mit besserer Laune.
Tschüssi Freunde

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